Darmgesundheit – Entwicklung und Störungen der Darmflora

Die Wissenschaft beschäftigt sich erst vergleichsweise kurz mit dem Mikrobiom. Es gibt viele Vermutungen, Annahmen, Thesen, nicht alle sind jedoch bewiesen. Viele Beobachtungen werden aber wiederholt gemacht.  So wurde zum Beispiel in mehreren Untersuchungen festgestellt, dass die Nahrungsverwertung und damit letztendlich auch das Körpergewicht mit der Bakteriengemeinschaft im Darm zusammenhängt. Auch zeigte sich, dass unter Autismus leidende Menschen eine sehr ähnliche Darmflora aufweisen. Und so gibt es noch viele weitere erkannte Zusammenhänge, jedoch in vielen Fällen auch noch keine abschließende Erkenntnis dazu, was nun Ursache und was Wirkung ist.

Ein paar Fakten gibt es dennoch:

Die Bakteriengemeinschaft eines Individuums – und dies gilt auch wieder für Mensch und Tier gleichermaßen – verändert sich im Verlauf des Lebens und passt sich dabei in einem gewissen Umfang an die Lebensbedingungen, zum Beispiel auch an die Ernährung, an.

Mit der Geburt wird der Darm erstmalig mit Bakterien besiedelt, und zwar nicht mit immer den gleichen, sondern abhängig davon, in welcher Weise das Lebewesen auf die Welt kommt. Bei einer natürlichen Geburt werden von der Mutter genau die Bakterien an den Nachwuchs weitergegeben, die für die optimale Verdauung der ersten natürlichen Nahrung – der Muttermilch – benötigt werden.  Das geschieht, während der Nachwuchs den Geburtskanal passiert, und es wird gesteuert durch Hormone, die den Geburtsvorgang begleiten. Es ist ein faszinierendes und komplexes Zusammenspiel. Die Natur überlässt dabei nichts dem Zufall, um dem ins Leben startenden Nachwuchs optimale Bedingungen zu bieten. Allerdings kann dieses Zusammenspiel auch empfindlich gestört werden.

Kommt ein Lebewesen zum Beispiel nicht durch den Geburtskanal sondern per Kaiserschnitt zur Welt, erfolgt die Erstbesiedelung des Darms leider eben nicht mit den Bakterien, die jetzt eigentlich als „Spezialisten“ gefragt wären. Es siedeln sich dann zunächst die Mikroorganismen an, mit denen das Jungtier zuerst in Berührung kommt – meistens handelt es sich dabei um Bakterien, die zur Hautflora gehören.

Die Natur hält aber ein weiteres Starterpaket bereit: Mit der Muttermilch werden ebenfalls hilfreiche Bakterien an den Nachwuchs weitergegeben und darüber hinaus sogar Nährstoffe, die vor allem der Ernährung und Entwicklung der jetzt benötigten Bakterien dienen.

Ist die Phase der Ernährung mit Muttermilch abgeschlossen, verändert sich die Darmflora. Jetzt vermehren sich die Bakterien, die für die Verstoffwechslung fester Nahrung notwendig sind. Abhängig davon, welche Nahrung die Bakterien erhalten, werden sich die verschiedenen Stämme unterschiedlich stark ausbreiten und wird die Vielfalt der Darmflora unterschiedlich groß sein.

 

Die Zusammensetzung der Darmflora ist also von vielen verschiedenen Faktoren abhängig.

Das Mikrobiom eines Fleischfressers ist anders ausgeprägt als das eines Pflanzenfressers, da andere Aufgaben im Rahmen der Verdauung zu bewältigen sind. Es gibt Bakterien, die Experten für die Verwertung tierischen Proteins sind, und es gibt andere, die aus pflanzlichen Proteinen das Beste herausholen. Woraus ein Lebewesen seine Nährstoffe ziehen und wie es bestimmte Nahrungsmitteln verwerten kann, ist also ganz erheblich von der Zusammensetzung der Darmflora abhängig. Es verwundert also auch nicht, wenn inzwischen das Darm-Mikrobiom als eigenständiges Organ des Körpers gesehen wird.

Macht man sich all die Zusammenhänge klar, wird auch verständlich, warum die Anwendung eines Antibiotikums so gravierende Auswirkungen hat. So hilfreich und sinnvoll der gezielte Einsatz auch ist, eine ganz massive Nebenwirkung ist immer die Störung des Gleichgewichts der Darmbakterien. Insbesondere die oft verwendeten Breitband-Antibiotika machen keine „Gefangenen“, sie vernichten, sofern keine Resistenzen vorhanden sind, eine hohe Anzahl von Bakterien.

Deutlich dezimiert werden dabei leider auch die guten Darmbakterien, die als „Wächter“ unter anderem die Aufgabe haben, die problematischen Bakterien wie z.B. Clostridium difficile  in Schach zu halten. Bei zu geringer Anzahl guter Bakterien können die problematischen sich ungehindert ausbreiten und Schaden anrichten. Als erstes sichtbares Zeichen zeigen sich oft Durchfälle. Nicht sichtbar sind die oft auch damit verbundenen Zerstörungen von Zellen der Darmschleimhaut.

Nach dem Absetzen eines Antibiotikums benötigt die Darmflora oft viele Monate, bis sie ihre ursprüngliche Zusammensetzung wieder erreicht hat. In dieser Zeit kann sie ihre vielfältigen Aufgaben nicht optimal erfüllen. Damit verbunden ist eine Schwächung des Immunsystems, eine nicht optimale Synthetisierung von Vitaminen, eine verminderte Verwertung bzw. Aufnahme von Mineralstoffen und Nährstoffen. Und gleichzeitig ist ein Kampf „Gut gegen Böse“ auszufechten: Die guten Bakterien versuchen wieder die Überhand zu gewinnen, das notwendige Gleichgewicht wieder herzustellen und die Schutzschicht des Darms gegen Angriffe aufrecht zu erhalten.

Nicht immer lässt sich die Gabe eines Antibiotikums vermeiden.

Antibiotika können Leben retten. Jedoch sollte aus den genannten Gründen sehr umsichtig damit umgegangen werden. Es kann gar nicht genug betont werden wie wichtig es ist, bereits während einer Antibiotika-Gabe und noch ausreichend lange Zeit danach die guten Darmbakterien zu unterstützen.

Wie eine solche Unterstützung aussehen kann und wozu ein Darmflora-Check gut ist, darüber schreibe ich im nächsten Artikel.

 

Quellenangabe für alle Artikel dieser Reihe:
Die stille Macht der Mikroben, Alanna Collen
Gastroenterologie bei Hund und Katze, Jörg M. Steiner (Hrsg.)

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