Blutegel bei der Arbeit

Blutegeln bei der Arbeit zuzusehen ist immer wieder faszinierend. Erst einmal sind die kleinen Helfer mit ihrer grün-braunen Zeichnung sehr hübsch anzusehen, auch schon bevor sie am Tier sitzen. Und dann ist es interessant zu beobachten, wie sie – manchmal mehr und manchmal weniger schnell – die richtige Stelle finden um sich zuerst festzusaugen, und dann mit ihren drei Kiefern und insgesamt 240 winzigen Kalkzähnchen eine kleine Wunde in die Haut zu sägen, aus der sie anschließend etwa 20 – 50 ml Blut saugen.

Während des Blutsaugens hängen sie meist mit beiden Saugnäpfen U-förmig am Tier. Die durch den Körper des kleinen Wurms laufenden „Wellenbewegungen“ zeigen sehr deutlich an, dass er saugt.

Die folgenden Fotos wurden am Freitag bei der Behandlung eines Landseers aufgenommen. Vielen Dank,  dass ich sie hier zeigen darf!

 

Blutegel geben beim Saugen Speichel in die Bisswunde ab, die sogenannte „Saliva“. Darin enthalten sind heilwirksame Inhaltsstoffe, die zur Linderung vieler Beschwerden beitragen. Einer der Wirkstoffe ist das „Hirudin„, welches eine stark gerinnungshemmende Wirkung hat und deshalb unter anderem die Bildung von Gerinseln verhindert. Ebenfalls gerinnungshemmend – über einen längeren Zeitraum – wirkt „Calin„.
Es sorgt dafür, dass sich die Bisswunde nicht sofort schließen kann und ermöglicht damit die gewünschte Nachblutung, die unter anderem einen reinigenden Effekt auf die Wunde hat.

Eine leicht antibiotische Wirkung hat die „Hyaluronidase„. Sie sorgt außerdem für einen besseren Wirkstoffaustausch zwischen Zell- und Gefäßwänden. Durch eine histaminähnliche Substanz werden die Gefäße erweitert. Weitere Wirkstoffe wie Bdelline, Egline und Kollagenase wirken ebenfalls gerinnungshemmend, aber – und dies ist besonders interessant – auch entzündungshemmend.
Festgestellt wurde auch eine wachstumsfördernde Wirkung auf Neuriten (Zellfortsätze von Nervenzellen).

Blutegel werden in der Tiertherapie zum Beispiel bei schmerzhaften und entzündlichen Erkrankungen der Gelenke, Sehnen, Bänder und Schleimbeutel eingesetzt. Auch Gelenkgallen, Blutergüsse, schlecht heilende oder verhärtete Narben und andere Wunden sowie Nervenentzündungen können sehr gut mit Blutegeln behandelt werden. Und dies sind nur einige Anwendungsbeispiele.

Haben Sie Fragen zu dieser Therapieform? Dann sprechen Sie mich gerne an!

 

 

Fotos: V. Starke
Quelle zum Thema Blutegel: Anke Henne – Blutegeltherapie bei Tieren, Unimedica im Narayana Verlag

Kommentare

  1. Elke Eisermann meint:

    Hallo Silke!
    Das ist ja echt spannend! Wenn man liest, wieviel Nutzen diese kleinen Kerle haben, verlieren sich meine ganzen Ekelgedanken. ;-)
    Wie lange dauert es denn, bis der Patient Besserung verspürt? Reicht eine einmalige Behandlung, oder richtet sich das nach der Größe des zu behandelnden „Schadens“?
    :-) Elke

    • Silke meint:

      Hallo Elke, wie Du schon selbst vermutest, ist es von der konkreten Erkrankung abhängig, welchen Umfang die Behandlung haben sollte. Es gibt Indikationen, zum Beispiel Blutergüsse, bei denen bereits das einmalige Ansetzen von Blutegeln sehr schnell Erleichterung verschaffen kann. Es ist aber immer wichtig, jeden Fall individuell zu betrachten.
      Herzliche Grüße
      Silke

Beitrag kommentieren:

*

*
Um festzustellen, ob ein menschliches Wesen an der Tastatur sitzt, bitte das Anti-Spam-Wort aus dem Bild eintragen.
Anti-spam image