Ausflug in die Anatomie: Augenblicke…

Heute möchte ich Euch den Sehsinn unserer Fellfreunde etwas näher bringen. Große Worte beschreiben die Augen, und das nicht nur beim Hund: „Spiegel der Seele“ sollen sie sein, und tatsächlich haben wir bestimmt schon alle erlebt, wie man in den Augen eines geliebten Wesen geradezu versinken kann.

Unsere Hunde verstehen es nicht nur meisterlich, uns mit ihren Blicken zu verzaubern und mitunter auch geschickt zu manipulieren, sie lesen uns außerdem jederzeit und sind Meister darin, unsere Bewegungen, Haltungen, Mimik und Gestik wahrzunehmen, einzuordnen, mit bereits erlebtem abzugleichen und darauf zu reagieren. Was uns oft vermuten lässt, unsere Hunde könnten unsere Gedanken lesen, ist in Wirklichkeit ihre feine Wahrnehmung all dessen, was wir selbst nur all zu häufig übersehen. Aber ich schweife ab, denn an all dem hat natürlich der Sehsinn auch nur einen Anteil, und nicht einmal den größten. Der Geruchssinn zum Beispiel spielt beim Hund eine deutlich wichtigere Rolle.

Zurück also zum Sehsinn, und ich sage gleich dazu, dass ich hier nur auf drei Bereiche eingehen werde. Der Sehsinn, der Aufbau des Auges, wie das Sehen im Detail funktioniert ist ein sehr faszinierendes Thema, aber viel zu umfangreich für einen einzelnen Beitrag.

Fangen wir mit dem Farbsehen an: Hund sind sogenannte „Dichromaten“. Das bedeutet, dass sie im Gegensatz zu den (meisten) Menschen nicht alle drei Wellenlängenbereiche, blau, grün und rot, wahrnehmen können, sondern nur zwei Bereiche farblich differenzieren. Hunde sehen die Blau- und die Grünbereiche. Ihre Farbwahrnehmung endet im gelblichen Bereich. Rottöne können sie nicht als solche erfassen und unterscheiden. Beim Menschen würde man dies eine „Rot-Grün-Schwäche“ nennen. Es ist also nicht verwunderlich, wenn Euer Hund den roten Ball auf der grünen Wiese nicht sieht. Er wird ihn vielleicht riechen, weil Ihr ihn schon häufig angefasst habt, oder er wird ihn sehen, weil er sich bewegt. Aber allein farblich wird er ihn auf dem Untergrund kaum erkennen können. Aus diesem Grund sind zum Beispiel Hindernisse im Hundesport meistens blau oder gelb. Wenn ich mit einem Hund in der Physiotherapie mit Cavalettis arbeite, nutze ich gelbe und blaue Stangen.
Dieses Wissen kann man außerdem nutzen, wenn man einen Hund bei einem Suchspiel vor allem mit der Nase arbeiten lassen möchte: Man verwende einen roten Suchgegenstand auf einer grünen Wiese.

Aber der Hund nimmt nicht nur Farben anders wahr, er hat auch ein anderes Gesichtsfeld. Durch die Anordnung seiner Augen überblickt er einen Bereich von bis zu 270 Grad. Beim Menschen liegt das Gesichtsfeld bei ca. 180 Grad. Der Hund nimmt deshalb in der Regel gut wahr, was Herrchen oder Frauchen tun, auch wenn er seitlich vorneweg läuft. Wer schon einmal versucht hat, das Lieblingsapportel seines Hundes auf dem Spaziergang unbemerkt fallen zu lassen, um den Wauz später zur Verlorensuche zurückzuschicken, weiß genau wovon ich rede.
Hingegen ist der Bereich für das räumliche Sehen beim Hund relativ klein. Gerade einmal um 60 Grad überschneiden sich die Sichtfelder beider Augen und ermöglichen damit dreidimensionales Sehen. Beim Menschen sind es immerhin 120 Grad.

Wie ist es aber um die Sehschärfe bestellt? Gar nicht so gut, wie man gemeinhin annimmt. Hunde sehen nicht besonders scharf, vor allem nicht auf Entfernung. Jedoch verfügen sie als Jäger über eine viel wichtigere Kunst – mitunter zu unserem Leidwesen:
Sie sind wahre Meister im Bewegungssehen. Je nachdem wie der Wind steht, kann es gut sein, dass Ihr mit Eurem Hund über eine Wiese lauft, und dieser – sehr zu Eurem Erstaunen – das erfahrene und sich völlig ruhig verhaltende Kaninchen einen Meter neben Euch komplett übersieht. Wehe aber es springt zu schnell auf, wenn ihr eigentlich schon vorbei seid. Bewegung nimmt das Hundeauge sofort wahr. Bis zu 80 Einzelbilder pro Sekunde sieht es, und damit 20 mehr als das menschliche Auge. Kein Wunder also, dass unsere Hunde vieles so viel schneller sehen als wir…

 

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